ℹ️ Fünf Jahre nach Impfbeginn gegen Covid konnten die komplexen Prozesse aufgeklärt werden, die im Schnitt bei einer von 200.000 Impfungen zu schweren Komplikationen führten
📌 Eine 49-jährige österreichische Krankenpflegerin starb nach der Verabreichung des Astra-Zeneca-Impfstoffs Vaxzevria an ungewöhnlichen Thrombosen und massiven Blutungen. Für die Wiener Hämatologin Sabine Eichinger von der Med-Uni Wien war rasch klar, dass es sich um keinen Zufall handeln dürfte, sondern um eine tödliche Impfkomplikation. Die Autopsie brachte keine alternative Erklärung.
📌 Eichinger kontaktierte den deutschen Blutgerinnungsspezialisten Andreas Greinacher (Uni Greifswald); gemeinsam stießen sie auf Antikörper gegen den Gerinnungsfaktor PF4 – ein Befund, der an eine seltene, durch den Blutverdünner Heparin ausgelöste Immunreaktion erinnerte. Es handelte sich um eine sogenannte Vakzin-induzierte immunthrombotische Thrombozytopenie (VITT).
📌 Das Syndrom trat bei etwa einer von 200.000 geimpften Personen auf, vor allem nach den adenovirusbasierten Covid-19-Impfstoffen von Astra-Zeneca und Johnson & Johnson. In Europa wurden rund 900 Fälle registriert, etwa 200 endeten tödlich. Bislang wurden außerhalb Europas kaum VITT-Fälle dokumentiert, was sowohl an genetischen Unterschieden als auch an unvollständiger Erfassung liegen könnte.
📌 Beide betroffenen Impfstoffe nutzen sogenannte Adenoviren als Vektoren beziehungsweise Transportvehikel, um die genetische Bauanleitung für das Spike-Protein in menschliche Zellen einzuschleusen. Bei Menschen mit einer besonderen genetischen Veranlagung führt dies dazu, dass sich Antikörper nicht mehr an eine ganz bestimmte Stelle des Proteins VII, sondern fälschlicherweise an den sogenannten Plättchenfaktor 4 (PF4) binden.
📌 Vermutet wird, dass frühere Adenovirus-Infektionen das Immunsystem "vorgeprägt" haben. Der Impfstoff reaktiviert diese B-Zellen; bei wenigen Menschen entsteht im Zuge der Antikörperreifung die fatale Variante. Dadurch aktivieren die Antikörper Blutplättchen und lösen die Bildung von Blutgerinnseln aus, während gleichzeitig die Zahl der Blutplättchen sinkt – was paradoxerweise schwere Blutungen begünstigt. "Es ist so, als wenn bei einem Schlüssel ein Zacken verändert wird und der Schlüssel danach in ein anderes Schloss passt", sagt Koautorin Linda Schönborn von der Unimedizin Greifswald.
📌 "Jetzt können wir die verantwortliche Stelle im Protein VII des Impfstoffs gezielt verändern und Vektor-Impfstoffe für alle sicherer machen", sagt Greinacher.
Quelle: DerStandard